Erdäpfelsauce und Semmelknödel

Erdäpfelsauce, die Milde

Vorwort

Erdäpfelsauce gehört für mich zu den Gerichten, die nach Zuhause schmecken. Es ist eine einfache, bodenständige Mahlzeit, die satt macht, wärmt und mit wenigen Zutaten auskommt.

Schon als Kind habe ich sie gerne gegessen. Über die Jahre habe ich das Rezept immer wieder gekocht und nach meinem Geschmack angepasst. So sind nach und nach kleine Veränderungen entstanden, die aus einem traditionellen Gericht meine ganz persönliche Variante gemacht haben.

Vielleicht weicht die eine oder andere Zutat von klassischen Rezepten ab. Genau das macht Hausrezepte aber aus: Sie entwickeln sich mit der Zeit weiter und tragen die Handschrift jener Menschen, die sie kochen.

Ich wünsche euch viel Freude beim Nachkochen und guten Appetit!

Zutaten für die Sauce:

  • ungefähr 300 g speckige Kartoffeln
  • ungefähr 100 g mehlige Kartoffeln
  • 1 Suppenwürfel (Gemüse- oder Hühnerbrühe)
  • 3 EL gehackte Petersilie (getrocknet oder frisch)
  • 1 MS Muskat
  • 3 EL Majoran (getrocknet oder frisch)
  • 1 EL Bohnenkraut (getrocknet oder frisch)
  • 4 große Lorbeerblätter (getrocknet oder frisch)
  • Salz
  • frisch gemahlener Pfeffer
  • 750 ml Wasser
  • 1 TL Kartoffelstärke (Saucenbinder)

Utensilien:

  • Sehr großer Kochtopf mit Deckel
  • Mittel großer Kochtopf mit Deckel
  • eine große Schüssel
  • Sparschäler
  • Gemüsemesser
  • kleiner Löffel
  • kleines Glas (zum Anrühren aller Kräuter)
  • großer flacher Teller
  • Tasse mit lauwarmen Wasser

Arbeitsablauf:

Topf zur Hälfte mit Wasser füllen und das Wasser zum Sieden bringen. Gib den Suppenwürfel hinein und reduziere die Hitze um die Hälfte. Das Wasser soll nur noch leicht sieden.

Die Kartoffeln gut schälen, die Speckigen in daumengroße und die Mehligen in 1cm-große Stücke geben. Die speckigen Kartoffeln sorgen für den wunderbar kartoffeligen Biss und die Mehligen werden der Sauce die Cremigkeit verpassen. Du kannst aber auch später, wenn dir die Sauce noch immer zu flüssig ist, noch etwas Kartoffelstärke hinzugeben. Aber warte ab. Oft wird die Kartoffelstärke gar nicht benötigt.

Gib nun die geschnittenen Kartoffeln in die Brühe und lasse sie bei geschlossenem Deckel sanft vor sich hin sieden. Da die Kartoffelstücke nicht besonders groß sind, sollten sie nach etwa 20 Minuten gar sein. In der Zwischenzeit bereitest du die Kräutermischung vor.

Füge nun die Lorbeerblätter hinzu und lasse sie von Anfang an mitkochen. Sie verleihen diesem Gericht eine wunderbare Tiefe und Bodenständigkeit. Da in meinem Garten ein echter Lorbeer wächst, schätze ich sein Aroma besonders. Natürlich eignen sich auch getrocknete Lorbeerblätter hervorragend.

Gib alle trockenen Gewürze in ein kleines Glas und vermische sie miteinander. Nach etwa zehn Minuten Kochzeit gibst du die Gewürzmischung zu den Kartoffeln in den Topf, verrührst alles sorgfältig und lässt die Sauce anschließend in Ruhe weiterköcheln.

Das Schöne an diesem Gericht ist seine Einfachheit. Es verlangt keine ständige Aufmerksamkeit, sondern nur gelegentlich einen Blick in den Topf. Vielleicht musst du etwas Wasser nachgießen oder einige Kartoffelstücke vom Topfboden lösen. Ansonsten erledigt die Zeit den Rest.

Während die Sauce langsam vor sich hin köchelt, erfüllen die Düfte von Lorbeer und Kräutern den Raum. Genau das mag ich an diesem Gericht besonders: Es entschleunigt, erdet und bringt eine wohltuende Ruhe in die Küche.
Zwischendurch kannst du mit einer Gabel immer wieder die Festigkeit der Kartoffeln prüfen. Nutze die Gelegenheit auch, die Sauce zu kosten. Obwohl die Brühe bereits viel Würze mitbringt, braucht es oft noch eine Prise Salz und vor allem frisch gemahlenen Pfeffer.

Mit dem Pfeffer musst du dabei nicht allzu sparsam sein, denn die Kartoffeln nehmen einen großen Teil der Würze auf. Während das Salz die einzelnen Aromen hervorhebt, sorgt der Pfeffer für eine angenehme Frische und Lebendigkeit, die sich im ganzen Gericht bemerkbar macht.

Mit jedem neuen Kosten wirst du feststellen, wie sich die Sauce weiterentwickelt und nach und nach ihre ganze geschmackliche Tiefe entfaltet. Die Kräuter verbinden sich mit den Kartoffeln, die einzelnen Aromen finden zueinander und offenbaren Schritt für Schritt ihren ganz eigenen Charakter. Auch die Textur verändert sich ständig und wird mit der Zeit immer sämiger und harmonischer.

Hast du den Eindruck, dass die Kartoffeln gar sind, schalte die Herdplatte aus und lasse den Topf noch darauf stehen. Die Restwärme sorgt dafür, dass die Sauce weiter nachzieht und ihre volle Cremigkeit entwickelt. Nun kannst du dich ganz entspannt der Beilage widmen.

Wenn die Sauce nicht mehr köchelt, aber noch schön warm ist, gib die Petersilie hinzu. Du wirst sofort bemerken, welch wunderbarer Duft aufsteigt.

Nach den erdigen und würzigen Aromen der Kartoffeln und Kräuter bringt die Petersilie eine angenehme Frische in das Gericht. Es ist fast so, als würde die Sauce noch einmal richtig aufblühen und ihren letzten Feinschliff erhalten.

Semmelknödel

Zutaten:

  • 300 g Semmelwürfel
  • 300 ml Milch
  • 2 Eier
  • 100 g Butter
  • 1 Messerspitze Muskat
  • 3 EL Petersilie
  • Salz
  • Pfeffer

Wichtig: Bevor du mit der Zubereitung beginnst, wasche dir gründlich die Hände und lege Uhren, Ringe oder Armbänder ab.

Arbeitsablauf:

Gib die Semmelwürfel gemeinsam mit allen trockenen Zutaten in eine große Schüssel.

Mein Tipp:

Für meine Semmelknödel verwende ich oft alte Semmeln oder übrig gebliebenes Vollkorngebäck. Zum einen ist das eine wunderbare Möglichkeit, Lebensmittel sinnvoll zu verwerten, zum anderen finde ich, dass die Knödel dadurch sogar noch mehr Geschmack bekommen. Gerade Vollkorngebäck verleiht ihnen eine angenehm herzhafte Note und macht sie besonders aromatisch.

Erwärme die Milch zusammen mit der Butter in einem hitzebeständigen Gefäß, bis die Butter vollständig geschmolzen ist. Die Mischung sollte warm, aber nicht kochend heiß sein.

Gieße die Milch-Butter-Mischung über die Semmelwürfel und gib anschließend die Eier dazu. Vermenge nun alles mit den Händen und arbeite die Flüssigkeit sorgfältig in die Semmelmasse ein. Knete so lange, bis sich die Zutaten gleichmäßig verbunden haben.

Lasse die Masse anschließend etwa 20 Minuten ruhen. In dieser Zeit saugen die Semmelwürfel die Flüssigkeit auf und die Masse erhält die richtige Konsistenz für lockere Knödel.

Nach der Ruhezeit knetest du die Masse noch einmal gründlich durch. Nun sollten sich die flüssigen und trockenen Zutaten perfekt miteinander verbunden haben. Mach dir keine Gedanken, wenn dabei etwas von der Masse an deinen Fingern kleben bleibt – genau so soll es sein. 😉

Stelle nun einen flachen Teller und eine kleine Tasse mit lauwarmem Wasser bereit.

Befeuchte deine Finger leicht mit dem Wasser, nimm eine kleine Handvoll Knödelmasse und forme daraus einen Knödel. Lege ihn anschließend auf den Teller. Die Knödel müssen dabei nicht perfekt rund sein. Viel wichtiger ist, dass sich die Masse gut formen lässt und ihre Form behält.

Aus der gesamten Masse lassen sich je nach Größe etwa zehn kleine oder sechs größere Knödel formen. Ich bevorzuge eher kleinere Knödel, da sie sich leichter portionieren und bei Bedarf auch hervorragend einfrieren lassen, falls doch einmal etwas übrig bleibt.

Nun kommt der etwas kniffligere Teil. Fülle einen mittelgroßen Topf etwa zur Hälfte mit Wasser, gib eine gute Prise Salz hinzu und bringe das Wasser zum Sieden. Es sollte heiß sein und leicht blubbern, jedoch nicht sprudelnd kochen.

Sobald das Wasser die richtige Temperatur erreicht hat, gibst du die Knödel vorsichtig mit einem großen Löffel oder einer Siebkelle hinein. Nimm dir dabei Zeit, damit die Knödel ihre Form behalten und nicht auseinanderfallen.

Nun ist der Moment gekommen, der über das Gelingen der Knödel entscheidet. Gib maximal drei Knödel gleichzeitig in den Topf, denn während des Garens gehen sie noch etwas auf und benötigen ausreichend Platz.

Nachdem du die Knödel ins Wasser gelegt hast, sinken sie zunächst auf den Topfboden. Mit der Zeit steigen sie langsam an die Oberfläche. Das ist ein gutes Zeichen, dass sie sich ihrem perfekten Garpunkt nähern.

Nimm dir für diesen Schritt ausreichend Zeit, denn hier kommt es auf Geduld an. Wenn du den Eindruck hast, die Knödel könnten fertig sein, nimm einen vorsichtig aus dem Wasser und schneide ihn in der Mitte durch. Fällt die Masse nicht auseinander und zeigt sich ein sauberer Schnitt, sind die Knödel gelungen und bereit zum Servieren.

Übrigens:

Sei nicht enttäuscht, wenn dir die Knödel beim ersten Mal nicht perfekt gelingen. Gerade solche einfachen und bodenständigen Gerichte haben oft ihre ganz eigenen Tücken. Mit jeder Zubereitung lernst du die Konsistenz der Masse, die richtige Garzeit und das Verhalten der Zutaten ein wenig besser kennen.

Übung macht den Meister – und manchmal sind es gerade die nicht ganz perfekten Knödel, die am besten schmecken.

Nun kannst du die Erdäpfelsauce gemeinsam mit den Semmelknödeln in einem tiefen Teller anrichten. Für einen besonders schönen Farbakzent streust du zum Schluss noch etwas Schnittlauch oder frische Petersilie darüber.

Mein Küchentipp:

Schön ist’s nicht, aber richtig gut.

Lass dich nicht von schiefen Knödeln oder einer etwas rustikalen Optik verunsichern. Bei diesem Gericht zählen Geschmack, Geduld und die Freude am gemeinsamen Essen weit mehr als Perfektion.

Diese Speise ist wunderbar bodenständig und eignet sich besonders für kalte Tage, an denen man sich nach etwas Wärmendem sehnt. Ebenso passt sie hervorragend zu Familientreffen oder einem gemütlichen Essen mit Freunden.

Für Fleischliebhaberinnen und Fleischliebhaber empfehle ich einige in Scheiben geschnittene und goldbraun angebratene Frankfurter. Sie ergänzen die milde Erdäpfelsauce mit einer herzhaften Umami-Note und verleihen dem Gericht eine zusätzliche geschmackliche Tiefe.