Zeit zu gehen. 😉

Ich bin über 40 und seit drei Jahren arbeitslos. Habe mich bei unzähligen Agenturen (Werbung, Social Media etc) beworben und bekam meistens Absagen oder auch keine Antwort. Die Antworten waren immer gleich, inhaltslos und wenig hilfreich. Es ist eine Branche, da muss man einfach wahnsinnig kreativ sein, außergewöhnlich, ständig up-to-date, schrecklich übertreiben und vor allem jung und gesund und sehr trendig sein.

Ich erfülle nur den Punkt außergewöhnlich und bin so gar nicht trendig. Ich habe keinen Uniabschluss – nicht mal ne Matura. Bin Feministin und Katzenbesitzerin. Ich hab mir Vieles selbst beigebracht oder eben AMS-Kurse besucht. Bin Webdesignerin (mach in dem Bereich mittlerweile kaum was), PR-Assistentin (konnte in dem Bereich niemals Praxis erlangen) und Fachtrainerin (darin bin ich am Besten und mag es sehr gerne). Ich war immer engagiert und schnell begeistert, hab mich schlau gemacht, hab gelesen und recherchiert.

Aber: Ich gehöre nicht zu den Leuten, die auf 100 Tausend Social Media-Kanälen angemeldet und aktiv sind. Ich fotografiere auch nicht mein Essen und stells auf Instagramm und Selfies mach ich auch keine und ein Egozepter besitze ich auch nicht.

Was mich betrifft ….

Ich mag meine Mitmenschen und pflege reale Kontakte. Meine Freundesliste ist übersichtlich und ich kenn jeden von ihnen in Real. Ich habe eine klare politische und gesellschaftliche Meinung und bin handwerklich recht begabt.

Ich lege Wert auf Höflichkeit und das altmodische Siezen von Fremden. Eine Branche, die unter „Anderssein“ vorwiegend sexuellen Orientierung, Geschlechterverteilung oder Ethnie versteht, hat leider Vieles nicht verstanden. Diversity (Vielfalt) bedeutet nicht, sich jene Minderheit aus dem Topf der vielen Minderheiten rauszusuchen, die grade aktuell die meiste mediale Aufmerksamkeit bekommt. Es ist und bleib Diskriminierung.

Ich war immer ein großer Fan der Digitalen Kommunikation. Ich fands spannend, dass Online-Kommunikation ein lebender Organismus ist, der gepflegt und gehegt werden muss. Aber vielleicht hab ich es mir auch nur schön geredet, weil ich immer von meiner Perspektive und Erfahrung ausgegangen bin und mich zu sehr auf die Art und Inhalt der Kommunikation konzentrierte. Der Mensch war für mich wichtig und ist es heute auch noch.

Ich halte nichts von Statistiken, Klickzahlen, Reichweite und so weiter, das ist was für Zahlenleute, die aber von Kommunikation keine Ahnung haben wollen oder denen es nicht wichtig ist, dass da am anderen Ende ein Mensch sitzen könnte. Noch weniger halte ich das Ansammeln von Kontakten, Fans und Followers.

Ich bin eben praktisch veranlagt, ich machs so, wie es außerhalb der digitalen Welt auch machen würde. Vielleicht liegts einfach daran, dass ich kein „Digital Native“ bin. Für mich ist (Online-)Kommunikation mehr als nur ein Text, es bedeutet das Auseinandersetzen mit dem Menschen und für mich spielt das Medium keine Rolle.

Glaskugelperspektive

Als Arbeitslose ist das Leben schon schwer genug und mit Behinderung noch um Einiges schwerer, das hat nichts mit Selbstmitleid zu tun, es ist fakt. Ich werde die Haltung der Agenturen nicht verändern können, selbst wenn ich weiterhin versuchen wollte, in die Branche / Agentur reinzukommen.

Außerdem sehe ich es nicht als meine Aufgabe, der Branche zu erklären, dass es auch noch andere sehr gute Mitarbeiter gibt, die vielleicht sehbehindert, gehörlos oder gar – wie ich – im Rollstuhl sitzen. Mitarbeiter, die bereits über 50 Jahre alt sind, die die Branche mit ihrer Erfahrung, Geduld und Lebensgeschichte bereichern könnten. Die ebenso interessiert an neue Medien sind, wie es eben auch die Jungen sind.

Was bedeutet das alles für mich?

Ich werde das Thema Social Media und nicht mehr weiterführen. Werde dazu auch keine Vorträge mehr machen oder sonstige Arbeiten. Es ist genug, ich habe genug. Diese Webseite dient nun eher als Lebenslauf und Portfolio. Was mit den Social Media-Kanälen passiert, das weiß ich noch nicht. Vielleicht lösch ich sie. Somit bin ich nur noch die private Alexandra, die ich ja eigentlich immer war.

Ich weiß nicht, wohin mich meine berufliche Laufbahn hinführt. Ideen habe ich schon dazu. Es soll anders werden. Ich möchte mich freuen und neue Impulse erfahren, mein Hirn mit Neuem füllen, neue Kontakte knüpfen – einfach nach dem Mehr suchen. Ich möchte wieder mit und für Menschen arbeiten. Ich möchte mit und für Menschen etwas erschaffen.

Für mich ist eines klar: Social Media soll nur noch Teil meines Hobbys sein. Meine Spielwiese ohne funktionieren zu müssen. Ich möchte wieder Spaß dabei haben … und ich genieße es sehr.

Ich freue mich darauf ….

PS.: Sollten das zufällig ein paar Verantwortliche der Branche lesen: Ihr hattet Eure Chance eine verdammt gute Mitarbeiterin zu bekommen.

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4 thoughts on “Zeit für den ultimativen Wandel

  • 4. Oktober 2015 at 23:25
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    liebe alexandra,
    ein ehrlicher beitrag – ich wünsch dir alles gute für deinen weg! lg dani

    Reply
  • 4. Oktober 2015 at 16:47
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    auch wenn ich immer nur stille Mitleserin war, habe ich deine Beiträge sehr gern verfolgt. ich wünsche dir für deine zukunft alles gute

    Reply
    • 4. Oktober 2015 at 17:10
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      Danke Svenja, man liest sich sicher an anderer Stelle. Ich bin ja nicht aus der Welt.

      Reply

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